Das Fach-Interview zum Datenschutz der Unterrichtsplattform vicole

Was der Datenschutzbeauftragte Ali Tschakari über die DSGVO-Konformität von vicole sagt

Der plötzlich geballt auftretende Bedarf an digitalen Unterrichtsformen ist ein Kernthema der aktuellen Krise. Ein konsequent durchdachter und umfassender Lösungsansatz dafür ist die digitale Unterrichtsplattform vicole der Liongate AG aus München. Darin sind der Datenschutz und der Erhalt der Persönlichkeitsrechte speziell für SchülerInnen und LehrerInnen ein zentrales Anliegen des Anbieters. Vor diesem Hintergrund bat die LionGate Herrn Ali Tschakari, ihren externen Datenschutzbeauftragten von der Bitkom e.V., um seine fachliche Einschätzung. Die Bitkom ist der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. und somit der Branchenverband des Münchner Anbieters von Digitalisierungslösungen.

LionGate: Herr Tschakari, welche Bedeutung messen Sie aktuell einer digitalen Unterrichtsplattform wie vicole zu?

Bitkom: Die derzeitigen Schulschließungen und Unterrichtseinschränkungen stellen eine enorme Herausforderung für Schulen und Lehrkräfte dar. Da der klassische Präsenzunterricht unmöglich durchzuführen ist, gewinnen Online Plattformen große Bedeutung. Vor allem solche, die über das einfache Hausaufgaben verschicken hinausgehen und direkten Kontakt erstellen. Die Bitkom begrüßt diese Angebote der Digitalisierung grundsätzlich sehr.

LionGate: „Grundsätzlich“ heißt ja auch, dass es Einschränkungen gibt?!

Bitkom: Ja, das stimmt. In dieser Krisensituation laufen alle Beteiligten Gefahr, wichtige Rahmenbedingungen wie den Datenschutz außer Acht zu lassen. 

Wir als digitaler Dachverband definieren den Schutz der Persönlichkeitsrechte der Lernenden und der Lehrenden als besonders wichtig. Wir sehen aktuell zwei Kernbereiche, die qualitativ sehr unterschiedlich von den angebotenen Plattformen umgesetzt werden:

Zum einen erheben einige Systeme teils Daten, die nichts mit dem Kern der Aufgabe zu tun haben. Dort werden Persönlichkeitsprofile aus dem Nutzungsverhalten aufgezeichnet, die dann schlimmstenfalls einer wirtschaftlichen Nutzung wie z.B. Werbung zugeführt werden. Das muss zwingend vermieden werden!

Zum anderen halten wir Löschfunktionen für wichtig. Bei verschiedenen Anbietern bleiben unnötig Daten im System zurück, ohne einen Zweck zu erfüllen. Jede Verarbeitung von Daten sollte aber einem zuvor definierten Zweck dienen, hier sollte es also ausschließlich Zugang zu Daten geben, die dem Lernzweck dienen.

LionGate: Können Sie uns eine Einschätzung geben, was die Plattform vicole in Bezug auf den Datenschutz von vielen anderen Anbietern unterscheidet?

Bitkom: Ja, vicole unterscheidet sich im Besonderen von Anbietern außerhalb der EU, die überwiegend in den USA sitzen. vicole wird von der in Deutschland sitzenden LionGate AG angeboten und wird auch hier in Frankfurt/Main gehostet. Damit greifen zu 100 % die strengen europäischen und deutschen Datenschutzbestimmungen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Die USA gelten in diesem Zusammenhang als Drittland und unterliegen anderen Bestimmungen. Dort kann dann auch die Liste der beteiligten Sub-Unternehmer länger und intransparenter werden und das Datenschutzniveau ist i.d.R. nicht mit unserem vergleichbar.

LionGate: Begleitend zu unserem Kernziel, Unterricht auch über die Distanz möglich und komfortabel zu gestalten, wollen wir hier genau diese Profilbildung, wie Sie z.B. in sozialen Medien oft stattfindet, unterbinden. Niemand sollte Schülerdaten sammeln und zu späteren Kandidatenprofilen bei der Jobsuche verdichten und monetarisieren können.

Also haben wir bei der Programmierung neben der lokalen Datenspeicherung durchweg Datenschutz-relevante Prinzipien beachtet. Wir achten beispielsweise auf Datensparsamkeit, indem wir keine unnötigen Daten erheben. Und es bleibt die Hoheit der Schule, welche Daten für den Unterrichtszweck genutzt und gespeichert oder gelöscht werden. 

Bitkom: Da ist vicole in der Tat hervorragend aufgestellt! Die Mitarbeiter haben keinen Zugriff auf die Daten, sondern nur auf die Infrastruktur, was ja für den Betrieb auch zwingend notwendig ist. Und mit der Vereinbarung zur Auftragsdatenverarbeitung (ADV) hat LionGate meiner Kenntnis nach auch ein echtes Alleinstellungsmerkmal, denn außer für das Hosting sind keine Subunternehmen in den Prozess involviert.

LionGate: Wir haben vicole tatsächlich von Grund auf für den datenschutzkonformen Einsatz gebaut. Die einzelnen Schulen werden sauber voneinander getrennt, verarbeitet und gehostet. Anders als viele Kollaborationsplattformen, die derzeit modifiziert werden.

Bitkom: Im Datenschutz-Fachjargon nennen wir dieses Vorgehen „Privacy by Design“, also eine Systemprogrammierung, die frühzeitigst Datenschutz technisch integriert und alle Werkzeuge dafür im Vorfeld berücksichtigt. vicole ist rechtlich sauber unterwegs, oder mit anderen Worten: die Plattform ist im besten Sinne DSGVO-konform.

Viele Anbieter für Videokonferenzen oder Zusammenarbeit auf beruflicher Ebene agieren eher nach dem „Privacy by Default“-Prinzip. Es werden „nur“ datenschutzfreundliche Voreinstellungen gewählt. 

Bei vicole ist keinerlei Anpassen im Nachhinein notwendig. Das wird den schützenswerten Daten der Schülerinnen und Schüler absolut gerecht. Dieser Ansatz wird auch auf der beschreibenden Website www.vicole.de konsequent fortgeführt: es findet kein Tracking statt, es werden keinerlei Mehrdaten generiert!

LionGate: Sind denn in den schulrechtlichen Vorschriften entsprechende Klarstellungen vorhanden?

Bitkom: Leider gibt es hier nicht überall klare Vorschriften, daher ist die eindeutige Orientierung an der DSGVO umso notwendiger.

Eine vorherrschende Sorge der Beteiligten in den Schulen ist die Frage nach dem Verbleib und der Drittnutzung der Daten. Daher sehen wir, als Datenschutzbeauftragte, es als eine der Kernaufgaben an, die Schulen für die DSGVO zu sensibilisieren.

LionGate: Jetzt ist die Chance, das Thema digitale Unterrichtsplattform richtig und nachhaltig anzugehen.

Bitkom: Es darf keine Zweckentfremdung der persönlichen Daten geben. Schule und Werbung sind strikt zu trennen!

Die LionGate hält sich daran, denn bei vicole liegen alle Daten ausschließlich in Deutschland und die Schulen sind ihre alleinigen Eigentümer.

LionGate: Vielen Dank für diese Einschätzungen Herr Tschakari!


Ali Tschakari ist Berater im Bereich Datenschutz bei Bitkom Consult. Er berät Startups, mittelständische Unternehmen sowie Großunternehmen zum Datenschutz und dessen struktureller Umsetzung im betrieblichen Management. Als Referent der Bitkom Akademie schult er Fach- und Führungskräfte zu datenschutzrechtlichen Fragen. Ali Tschakari absolvierte den Master of Laws (LL.M.) im Banken- und Datenschutzrecht und sammelte als Wirtschaftsjurist in den Bereichen Compliance und Datenschutz mehrjährige Berufserfahrung.


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